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PflegePflegeheime

In NRW sind Pfle­ge­hei­me am teu­ers­ten

In NRW sind Pfle­ge­hei­me am teu­ers­ten
Wer zum Pfle­ge­fall wird, muss ho­he Kos­ten stem­men: In NRW-Hei­men ist der Ei­gen­an­teil am höchs­ten. Auch die le­ga­le Be­schäf­ti­gung ei­ner aus­län­di­schen Pfle­ge­kraft kos­tet Tau­sen­de Eu­ro. Zu­gleich ist es schwer, ei­nen Platz zu fin­den.
VON ANT­JE HÖ­NING UND THO­MAS REI­SE­NER

DÜS­SEL­DORF | Die Deut­schen wer­den im­mer äl­ter, da­mit steigt die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen. In Nord­rhein-West­fa­len gibt es ak­tu­ell 650.000 Pfle­ge­be­dürf­ti­ge. Nach Be­rech­nung des In­sti­tuts der Deut­schen Wirt­schaft wird die Zahl bis 2035 auf 900.000 stei­gen. Für Be­trof­fe­ne und An­ge­hö­ri­ge bringt das gro­ße Her­aus­for­de­run­gen mit sich – auch fi­nan­zi­ell.

Was kos­tet ein Pfle­ge­heim? Die meis­ten Men­schen möch­ten so lan­ge wie mög­lich in den ei­ge­nen vier Wän­den blei­ben. Doch wenn die Ein­schrän­kun­gen zu groß wer­den, wird es Zeit für ein Pfle­ge­heim. Bun­des­weit gibt es rund 14.500 Hei­me, die Un­ter­schie­de in Aus­stat­tung, Leis­tun­gen und Kos­ten sind groß. Zum ei­nen fal­len Kos­ten für Pfle­ge und Be­treu­ung an, hier­für kom­men grund­sätz­lich die ge­setz­li­chen oder pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­run­gen auf. Hin­zu kom­men die Kos­ten für Ver­pfle­gung und Un­ter­kunft (in­klu­si­ve In­ves­ti­ti­ons­kos­ten) und even­tu­el­le Zu­satz­leis­tun­gen. Die­se Kos­ten trägt grund­sätz­lich der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge.

War­um kos­tet ein Platz in NRW be­son­ders viel? Die re­gio­na­len Un­ter­schie­de sind groß. In Sach­sen liegt der durch­schnitt­li­che mo­nat­li­che Ei­gen­an­teil nur bei 1232 Eu­ro, in NRW muss der Be­trof­fe­ne im Schnitt da­ge­gen 2350 Eu­ro aus ei­ge­ner Ta­sche zah­len. „80 Pro­zent der Pfle­ge­heim­kos­ten ent­fal­len auf Lohn­kos­ten, ent­spre­chend wir­ken sich die ver­gleichs­wei­se ho­hen Löh­ne für Pfle­ge­kräf­te in NRW aus“, er­klärt ein Spre­cher des Ver­bands der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen (PKV), der die Ei­gen­an­tei­le in den Hei­men er­mit­telt hat. So liegt der durch­schnitt­li­che Brut­to­mo­nats­lohn für Al­ten­pfle­ge-Fach­kräf­te in NRW bei 2917 Eu­ro, in Sach­sen bei 2203 Eu­ro. Da­bei spielt ei­ne Rol­le, dass in NRW öf­ter ge­werk­schaft­lich gut or­ga­ni­sier­te Wohl­fahrts­ver­bän­de Trä­ger der Hei­me sind, die bes­ser zah­len als man­cher pri­va­te An­bie­ter.

Wer zahlt – auch die An­ge­hö­ri­gen? Grund­sätz­lich muss der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge sei­nen Ei­gen­an­teil stem­men. Bei der Mehr­heit rei­chen Ren­te und Ver­mö­gen da­zu aber nicht aus. Dann haf­ten auch Kin­der für ih­re El­tern (nicht aber En­kel- und Schwie­ger­kin­der, Nich­ten, Cou­si­nen und Ge­schwis­ter). Kon­kret wird das So­zi­al­amt ein­sprin­gen und das Geld von den Kin­dern zu­rück­for­dern. „Zah­len müs­sen Kin­der aber nur, wenn sie da­durch nicht ih­ren ei­ge­nen Le­bens­be­darf und den ih­rer ei­ge­nen Fa­mi­lie ge­fähr­den“, be­tont die Ver­brau­cher­zen­tra­le. Als Faust­re­gel gilt: Der Min­dest­selbst­be­halt für Kin­der be­trägt 1800 Eu­ro net­to pro Mo­nat für Al­lein­ste­hen­de, hin­zu­kom­men der Selbst­be­halt für wei­te­re Fa­mi­li­en­mit­glie­der. „Auch hö­he­re Wohn­kos­ten kön­nen un­ter Um­stän­den be­rück­sich­tigt wer­den“, be­tont die Ver­brau­cher­zen­tra­le. Und: „Ha­ben die El­tern sich er­heb­li­cher Ver­feh­lun­gen ge­gen das Kind schul­dig ge­macht, ha­ben sie ei­nen ge­rin­ge­ren bis gar kei­nen Un­ter­halts­an­spruch.“

Was gilt bei der Pfle­ge zu­hau­se? Rund 70 Pro­zent der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wer­den da­heim ver­sorgt, et­wa die Hälf­te da­von mit Un­ter­stüt­zung am­bu­lan­ter Pfle­ge­diens­te. Die an­de­re Hälf­te wird al­lein von An­ge­hö­ri­gen ge­pflegt, über­wie­gend von Frau­en. Doch die klas­si­sche Rol­len­ver­tei­lung än­dert sich und so wer­den am­bu­lan­te Diens­te im­mer öf­ter nach­ge­fragt. Die­se rech­nen ih­re Leis­tun­gen wie Hil­fe beim Wa­schen oder Es­sen dann di­rekt mit der Pfle­ge­kas­se ab. Al­ler­dings müs­sen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge auch hier mit ei­ge­nen Kos­ten rech­nen, so die Ver­brau­cher­zen­tra­le. Zu­dem neh­men Pfle­ge­diens­te bis­wei­len aus Per­so­nal­man­gel kei­ne neue Kun­den an.

Wie wirkt sich der Pfle­ger­man­gel aus? Man­che Pfle­ge­hei­me kön­nen die vor­ge­schrie­be­ne Fach­kraft­quo­te von 50 Pro­zent nicht er­fül­len. Sie müs­sen dann Pa­ti­en­ten ab­wei­sen, ob­wohl sie freie Bet­ten ha­ben. Aus glei­chem Grund müs­sen die am­bu­lan­ten Pfle­ge­diens­te laut der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge al­lein in NRW pro Mo­nat ins­ge­samt 9000 Ab­sa­gen an Be­dürf­ti­ge er­tei­len.

Wie vie­le Pfle­ger feh­len in NRW? Laut ei­nem Re­port der Lan­des­re­gie­rung feh­len in NRW 5800 Pfle­ger in Kran­ken­häu­sern und 4300 in Al­ten­hei­men. Da ge­ra­de in der Pfle­ge vie­le nur Teil­zeit ar­bei­ten, müss­ten auf ei­nen Schlag 14.000 Fach­kräf­te ein­ge­stellt wer­den, nur um die ak­tu­el­le Lü­cke zu schlie­ßen. Bei der letz­ten lan­des­wei­ten Er­he­bung 2015 be­trug die Fach­kräf­te-Lü­cke in bei­den Be­rei­chen zu­sam­men noch 2300 Voll­zeit­kräf­te. Die Grün­de für die Lü­cke: Pfle­ger wer­den nicht gut be­zahlt. Die Ein­stiegs­ge­häl­ter be­gin­nen für Fach­kräf­te laut Ver­di bei  2600 Eu­ro. Das Ge­halt kann bis et­wa 3500 Eu­ro stei­gen. Hin­zu kommt, dass vie­le Pfle­ger un­ter ih­ren Ar­beits­be­din­gun­gen lei­den, wie kürz­lich bei ei­ner Ex­per­ten­an­hö­rung im Land­tag deut­lich wur­de. Vie­le stei­gen schon kurz nach der Aus­bil­dung wie­der aus dem Be­ruf aus. Die Fol­ge: Auf 100 of­fe­ne Stel­len in NRW-Al­ten­hei­men kom­men zur­zeit nur 44 po­ten­zi­el­le Be­wer­ber.

Was ist bei aus­län­di­schen Pfle­ge­kräf­ten zu be­ach­ten? Im­mer wich­ti­ger wird die Hil­fe aus­län­di­scher, meist ost­eu­ro­päi­scher Kräf­te. Seit der EU-Ost­erwei­te­rung gilt die Ar­beit­neh­mer­frei­zü­gig­keit auch für Ar­beit­neh­mer aus Po­len, Tsche­chi­en und Li­tau­en, sie dür­fen hier al­so un­be­schränkt ar­bei­ten. Aber für sie gel­ten auch al­le Spiel­re­geln des deut­schen Ar­beits­mark­tes: Sie müs­sen min­des­tens den Min­dest­lohn be­kom­men und dür­fen nicht für ei­nen 24-stün­di­gen Dau­er­be­reit­schafts­dienst ein­ge­setzt wer­den. Sie müs­sen so­zi­al­ver­si­chert wer­den, so­fern sie nicht als Selbst­stän­di­ge tä­tig sind. Im Schnitt fal­len da­mit Kos­ten von rund 2200 Eu­ro im Mo­nat an. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le warnt: „Wer ei­ne ost­eu­ro­päi­sche Hil­fe schwarz be­schäf­tigt, geht ein ho­hes Ri­si­ko ein.“ Im­mer­hin: Die Kos­ten kön­nen als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung steu­er­lich gel­tend ge­macht wer­den, wenn auch nur bis  4000 Eu­ro im Jahr. Bei der Su­che hel­fen die Zen­tra­le Aus­lands­ver­mitt­lung (ZAV) der Bun­des­agen­tur oder pri­va­te Agen­tu­ren.

IN­FO
Nütz­li­che Ser­vice­sei­ten zum The­ma Pfle­ge

Ver­brau­cher­zen­tra­le www.​ver​brau​cher​zent​rale.​de/​wissen/​ges​undh​eit-​pflege

Land www.​mags.​nrw/​ber​atun​g-​und-​hilfe-​im-​pfl​egef​all

Wa­ren­test www.​test.​de/​thema/​pflege-​von-​ang​ehoe​rige​n/

Quelle: https://rp-epaper.s4p-iapps.com/wr3/index.html#/868548/8-9

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